FRAUEN UND FREIMAUREREI: Geschichtliches (auch zum Modehund Mops)

Br. K. B.

 

Die Frauenbewegung

Das Thema ist in mancher Hinsicht verwoben mit der sog. Frauenbewegung, d.h. der Emanzipation der Frau auf politischem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet. Die Frauenbewegung hat ihre Wurzeln in den Jahren nach der französischen Revolution um 1800. Damals mussten Frauen erkennen, dass die neuen Menschenrechte der europäischen Aufklärung und des freien, selbstbestimmten Individuums in erster Linie Männerrechte waren. Erst 120 Jahre später, nach teilweise harten und massiven öffentlichen Auseinandersetzungen der Suffragistinnen besonders in England und in den USA, erkämpften sich die Frauen um 1920 in Russland, USA, Deutschland und England politische Gleichberechtigung, d h. Stimm- und Wahlrecht. Andernorts hat das noch länger gedauert (Frankreich 1944). Erst nach dem zweiten Weltkrieg konnten die Frauen ihre volle Gleichberechtigung in den westlichen Staaten rechtlich verankern. Wie wir alle wissen, ist Gleichberechtigung nicht gleichbedeutend mit faktischer Gleichstellung. 

Die freimaurerische Tradition

Die Werkmaurerei alter Zeiten soll ihre Zünfte Frauen streng verschlossen gehalten haben. Und diese Tradition soll 1723 Anderson in unserer Konstitution (Die Alten Pflichten) fortgesetzt haben. Freimaurerische Forscher in England fanden aber heraus, dass zumindest zwischen 1696 und 1714, Frauen Mitglieder in Logen waren, meist Töchter von Meistern, und dass es sogar im Lehrlings-Aufnahmeritual der ehrwürdigen Loge von York 1693 eindeutig hiess: 'he or shee' soll bei der Aufnahme die Hand auf das Buch legen.

Anderson schrieb am Ende des Abschnitts 3 der 'Alten Pflichten': The Persons admitted Members to a Lodge must be … Men … no Women … Wir kennen nicht den Grund für diese dezidierte Anweisung. Sie wurde später vielfach interpretiert und von der englischen Grossloge 1989 durch folgende, für eine Anerkennung heute gültige Formulierung verschärft: Freimaurer müssen Männer sein, und sie und ihre Logen dürfen keine maurerische Verbindung zu Logen haben, in denen Frauen Mitglieder sind. Eine solche Ausgrenzung haben Frauen, wie sich auf Grund der oben angedeuteten Entwicklung der Frauenbewegung denken lässt, nicht so einfach hingenommen.

Wie gross der Wunsch bei Frauen schon des 18. Jahrhunderts war, es den Männer gleich zu tun, zeigen eine ganze Reihe von Theaterstücken aus dieser Zeit, die dieses Thema behandeln; nicht zuletzt auch die Zauberflöte des Freimaurers Mozart. Mehr als einmal haben es Frauen damals geschafft, versteckt in Wandschränken Arbeiten zu belauschen, durchs Fenster zu spähen oder als Männer verkleidet, an Arbeiten teilzunehmen. Sogar von der Kaiserin Maria Theresia wird derartiges berichtet.

Miss St. Leger

Um das Jahr 1710 soll die Tochter eines irischen Lords, Miss St. Leger (Bild rechts), heimlich eine Logen-Arbeit ihres Vaters beobachtet haben, indem sie Ziegel aus einer Trennwand heraus löste. Obwohl die Tatsachen strittig sind, ist sie in unsere Geschichte eingegangen als angeblich erste Frau, die in eine Loge aufgenommen wurde - um sie zum Schweigen zu verpflichten.

In diesem 18. Jahrhundert, dem Gründungsjahrhundert der modernen Freimaurerei, nahm neben Staat und Kirche noch eine dritte Macht gegen die Freimaurerei den Kampf auf, die Frauen. In Frankreich, damals Zentrum Europas, beherrschten geistreiche Frauen von Stand die Salons, wo sich das öffentliche und politische Leben abspielte. Die damals junge Freimaurerei wagte, diese Grossmacht von jeder Beteiligung in ihren Freimaurer-Tempeln auszuschliessen. Kaiserin Maria Theresia machte 1743 deshalb mit den Herren kurzen Prozess und liess 100 Soldaten in die Wiener Loge ihres Ehemannes Franz I. einrücken und jeden verhaften. Berner Frauen schwärzten 1745 ihre Freimaurer-Ehemänner beim Magistrat an, woraufhin der bei strengen Strafen die Freimaurerei verbot. Vielleicht hatten die Schwestern schon Goethe im Sinn, der für die Schwestern seiner Loge später dichtete: "Sollen aber wir, die Frauen, dankbar solche Brüder preisen, die ins Innere zu schauen immer uns zur Seite weisen?" 

Adoptionslogen

Teile der Freimaurerei meinten, auch an dieser dritten Front einen Abwehrkampf liefern zu müssen.

Ein Mediziner und Poet verfasste in Frankreich zur Verteidigung der Freimaurerei gegen Staat und Kirche ein damals bekanntes und für die Tradition des 'no women' vielsagendes Gedicht, denn am Schluss hiess es: "Bevor ich schliesse muss ich uns noch vor den Schönen rechtfertigen, die meinen, wegen des Verbots sie aufzunehmen, uns strafen zu müssen. Schönes Geschlecht, wir haben für euch Verehrung und Achtung, aber wir fürchten euch auch, und unsere Furcht ist rechtmässig. Ach, wir lernen aus dem ersten Unterricht, den man uns erteilt, dass aus euren Händen Adam den Apfel empfangen hat, und dass ohne eure Reize vielleicht jeder Mensch Freimaurer wäre."

Schon seit etwa 1740 aber kam man in Frankreich den Frauen entgegen. Es entstanden der Freimaurerei Andersons sehr nahestehende Gesellschaften für Männer und Frauen mit  teilweise ehrwürdigen Ritualen, die aus der alten, englischen, vom damaligen Mainstream unterdrückten Harodim-Tradition stammten, die sog. Adoptionsmaurerei. Herzoginnen und Prinzessinnen waren ihre Grossmeisterinnen. Zu den bald prächtigen 'Frauenlogen' drängten im alten Frankreich der hohe Adel, berühmte Künstler und gefeierte Gelehrte. Die Arbeiten wurden meist mit einem glänzenden Ball abgeschlossen. Die ganze Welt tut da mit, schrieb 1781 die französische Königin Marie Antoinette. Auch Kaiserin Josephine war  Grossmeisterin der französischen Adoptionslogen. Neugier, Eitelkeit, Galanterie und Vergnügungssucht sollen manchmal Triebfedern zur Teilnahme gewesen sein. Neben der 'Schottischen Adoptionsmutterloge' wurde ein bekannter Orden in Europa der 'Mops-Orden'. Die Gesellschaft der Möpse scheint gegen die Bannbulle 'In eminenti' (1738) gegründet worden zu sein. Alle Handlungen eines Mopses sollten aus einer Quelle kommen, nämlich aus der Liebe. Der damalige Modehund Mops galt dem Orden als Symbol der Treue. Aus Porzellan gefertigt, stellte er das Bijou dar. Bei der Aufnahme trugen die Kandidatinnen und Kandidaten Hundehalsbänder, kratzten und bellten an der Logentür nach Hundeart. Nachdem sie Einlass in das Heiligtum erhalten hatten, wurden sie unter dem Geheul der anwesenden Möpse neunmal an Hundeleinen im Tempel herumgeführt und nach Leistung eines Mitgliedeids über die geheimen und teilweise eher scherzhaften Bräuche belehrt. 

Maskuline Dominanz

Nach dem Fall Napoleons 1815 verschwand die Adoptionsmaurerei, denn in Europa etablierte sich eine neue Lebensauffassung, in Deutschland etwa mit der Romantik und dem Biedermeier. Die Frau wurde, wie angeblich in der 'guten alten Zeit', an den Herd zurückgebunden, und die von beiden Geschlechtern erkämpften Menschenrechte waren zunächst nur Männerrechte, alle Logen jetzt nur Männerlogen. Der Ursprung unserer Frauenkränzchen ist im 19. Jahrhundert zu finden.

Erst wieder um 1850 entstand in Amerika mit der aufkommenden Frauenbewegung eine der Adoptionsmaurerei verwandte Organisation, jetzt aber nur für Freimaurermeister und die Frauen ihrer Familie, der 'Order of the Eastern Star' mit heute ca. 1 Mio. Mitgliedern in vielen Ländern der Erde. Er ist auch in Deutschland und der Schweiz vertreten. In den Ritualen wird auf fünf tapfere Frauen des Alten Testaments Bezug genommen.

In Ungarn wurde 1877 eine Gräfin, die zivilrechtlich als Mann galt, weil sie die letzte ihres Geschlechts war, unter wirksamem Protest nur vorübergehend in den Orden aufgenommen. Und erst 1882 bröckelte die männlich Dominanz; eine französische Frauenrechtlerin, Maria Deraismes, wurde in Frankreich normales Mitglied einer Freimaurer-Loge. 

Gemischte Logen

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erlebten gemischte Gemeinschaften wie die Rosenkreuzer, Martinisten, Theosophen einen Aufschwung. Und unter dem Einfluss der erwähnten Frauenrechtlerin Maria Deraismes und mit ihr befreundeter Freimaurer wurde 1893 in Paris die erste Organisation auf freimaurerischer Basis gegründet, die Frauen und Männer aufnahm, die Grossloge 'Le Droit Humain' mit zunächst nur einer Loge. Der DH setzt sich u.a. für die allgemeine Gleichberechtigung beider Geschlechter ein und bearbeitet die Grade des AASR. Seit dem 2.Weltkrieg hat seine Mitliederzahl stark zugenommen (über 40'000), zum überwiegenden Teil sind es Frauen. Der DH ist heute in Europa, Australien, Nord- und Südamerika in über 50 Ländern vertreten.

In den USA und England trägt diese gemischte Freimaurerei den Namen Co-Masonry. Die Co-Masonry kam 1902 zunächst nach London, nachdem eine Engländerin, die Theosophin und Politikerin Annie Besant, in Paris in einer Loge des DH die ersten drei Grade erhalten hatte. 1907 war die Organisation bereits in den USA vertreten. Es gibt in manchen Ländern gemischte Logen auch ausserhalb des DH, so in Deutschland (GL Humanitas) und in der Schweiz (Gemischte Schweizerische GL). 

Frauenlogen

1935 ging es einen Schritt weiter: die reinen Frauenlogen auf freimaurerischer Basis formierten sich - wieder in Frankreich. Im Jahre 1952 wurde die Grand Loge Feminine de France (GLFF) ins Leben gerufen. Zu ihr gehören heute rund 30 Logen in Europa, Afrika und Nord- und Südamerika. Die Logen der GLFF arbeiten nach unterschiedlichen Riten. Wie alle Freimaurer streben auch sie nach Selbsterkenntnis und arbeiten am Tempel der Humanität.

Nach 1952 haben sich von der GLFF unabhängige Obödienzen der Frauenfreimaurerei in Belgien, Deutschland (Zur Humanität heute Frauen-Grossloge von Deutschland, 1982), Italien und der Schweiz etabliert. Sie kooperieren in einer 1982 gegründeten Dachorganisation CLIMAF mit rund 12'000 Mitgliedern. Eine weitere, eigenständige, eher verschwiegene Organisation, The Order of Women Freemasons, gibt es inzwischen in England.

Die erste schweizerische Frauenloge, Lutèce, erhielt 1964 in Genf noch von der GLFF das Licht. 1976 gründeten dann drei Schweizer Frauenlogen ihre GLFS. Diese schweizerischen Frauenlogen (z.Zt. sind es 17, davon je eine in Basel, Bern und Zürich) arbeiten wie die Logen des DH, also nicht nach einem französischem Ritus, sondern in den Graden (selbstverständlich auch den Hochgraden) des AASR.