Der Freimaurer in der Zeit

Der Freimaurische Einzelgänger in unserer Zeit

 Friedrich Schiller hat versucht, die Zeit in wenigen Zeilen poetisch zu erfassen. Erste Strophe, ich zitiere:

Dreifach ist der Schritt der Zeit:

Zögernd kommt die Zukunft herangezogen,

Pfeilschnelll ist das Jetzt entflogen,

Ewig still steht die Vergangenheit.

 Die Zeit:

Die Zeit beschreibt eine Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine, -unumkehrbare“ Richtung.

Die Wahrnehmung der Zeit hängt davon ab, was in der Zeit passiert. Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint kurz, -„vergeht wie im Flug“. Hingegen dauern, -ereignisarme Zeiträume, quälend lange.

Die Wahrnehmung der Gegenwart ist durch einen Drei-Sekunden-Zeitraum angegeben. Dieser Zeitraum wird als Gegenwartsdauer bezeichnet. Die philosophische Perspektive beschreibt die Zeit als das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend zur Zukunft hinführend, alles fließt.In der Zeit können wir weder zurück in die Vergangenheit noch vorwärts in die Zukunft gehen. In der Zeit werden wir unerbittlich immer nur in eine Richtung gespült, jeder Wiederstand ist zwecklos.Aber trotzdem erinnern wir uns an die Vergangenheit und nicht an die Zukunft. Wir werden älter aber niemals jünger. Wir sterben, nachdem wir geboren wurden und gelebt haben, niemals umgekehrt.

Der Mensch muss schon in frühester Zeit die vier Phasen des Mondes beobachtet haben, der sich als Neumond, zunehmender Mond, Vollmond und abnehmender zeigt und so, wie älteste Schriften bezeugen, als „Ordner der Zeit“ gilt. So ist allmählich der Monat, die Wochen unseres Kalenders entstanden.Ebenso bot die Stellung der Sonne und die Ausdehnung des Schattens dem Menschen eine Orientierungshilfe am Tag.So entstand die Sonnenuhr, die uns bei Sonnenschein die Stunden anzeigt. Die beiden Punkte des Sonnenaufgangs-und-untergangs, vor allem an den Daten der Tag- und Nachtgleiche, wurden beobachtet. So konnte man die Jahre zählen.

Die sogenannte bürgerliche Zeit, wie z.B. die Mitteleuropäische Zeit(MEZ), richtet sich annähernd nach dem Sonnenstand und ist durch staatliche Regelung innerhalb einer bestimmten Zeitzone für mehrere Ländereinheitlich.

Die Zeiteinteilung ist eine Erfindung des Menschen,ohne Zeiteinteilung wäre der Mensch,in unserer Zeitorientierungslos. Was nicht immer so war.

Wie ich glaube, hat jeder von uns seine innere Uhr, ein Zeitgefühl, das sich mit zunehmendemAlter verändert und anpasst. Auch das wir manchmal in Zeitnot geraten ist uns nicht fremd.Manchmal können wir sogar mit unserer Zeit wenig anfangen und schlagen sie dann schlimmstenfalls tot.

Für uns Freimaurer ist der 24zöllige Maßstab, ein Symbol. Er mahnt uns Freimaurerzur weisen Einteilung der Zeit, in Stunden, Tage, Monate und Jahre; denn unsere Lebenszeitist kurz und verdient es, sinnvoll genutzt zu werden.

 Die Vergangenheit:

„Es war einmal“, so beginnen Erzählungen, Märchen und Sagen die uns an die Vergangenheit erinnern sollen.

In der Vergangenheit ist unser Leben aufgezeichnet und gespeichert aber ändern können wir die Vergangenheit nicht. Wir können jedoch daraus lernen. Durch unsere Erfahrungen und Erinnerungen, können wir in der Gegenwart, und vielleicht auch zukünftig, Versäumtes nachholen, an Gutes anknüpfen und in unserer Zeit besser machen. Es wurde ja nicht alles falsch gemacht. Die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Auch wertvolle Tradition bewahren kann eine Aufgabe und ernsthafte Aufforderung sein, die Gegenwart besser zu gestaltenund die Zukunft gut vorzubereiten.Nicht die Asche hüten, sondern das Feuer weiter tragen empfiehlt eine bekannte Volksweisheit.

 Die Gegenwart:

Die Gegenwart dauert nur ein Bruchteil der Zeit, nichts steht still, alles unterliegt ständigerVeränderung. So nehmen wir minutiös die Gegenwart wahr, obwohl sie nur wenige Sekunden dauert.

Wie sieht unsere Gegenwart, wie wir sie wahrnehmen, aus?

In die uns vorgegebenen und unveränderlichen Naturgesetze sind wir eingebunden. Wir können sie nicht ändern und müssen uns mit ihnen arrangieren. Naturkatastrophen können wir vorbeugen:In dem wir in Überschwemmungsgebieten von Flüssen, Seen an Meeresufern, in der Nähe von Vulkanen, Erdbebengebieten,keinAtomkraftwerke Wohnhäuser, Straßen und Schienen, bauen. Manchmal ist das teurer, aber letztendlich macht es sich bezahlt.

Was wir aber in der Gegenwart erleben, macht mich sehr nachdenklich. Es kommt mir so vor, als ob unsere Politiker, Wirtschaftsbosse, Wissenschaftler, Banken und Religionen das Volk vergessen haben. Fehlentscheidungen bleiben in der Politik ohne Folgen. Projekte in Milliardenhöhe werden ja dem Steuerzahler aufgedrückt. 98% der Steuereinnahmen werden vom Volk getragen, die Industrie, vor allen die Großindustrie und die Reichen, werden geschont. Wir werden durch Vorhersagen, Prognosen,Umfragen, die unsicher sind, Statistiken, meist gefälscht undmanipuliert, belogen und betrogen.Es werden Profile über unser Verhalten erstellt und wenn wir ein Mobiltelefon besitzen, kann durch GPS, ohne unser Einverständnis, jederzeit unser Standort, geortet werden.Der Mensch wird in der von der Technologie bestimmten Entwicklung zur Ware und zum gläsernen Menschen, der von Politik und Wirtschaft immer besser überwacht und manipuliert werden kann.

 In unserem Ritualheißt es:„Das Gesetz nur kann uns Freiheit geben

Unsere persönliche Freiheit wird immer mehr durch Verordnungen und Gesetze, eingeschränkt und unser Grundgesetz wird immer mehr – angepasst. Das Recht, wird zunehmend gebeugt, was zur Einschränkung meiner persönlichen Freiheit führt. An die Stelle von Freiheit und Gerechtigkeit, treten Fremdbestimmung.

Auch der Umweltschutz bereitet mir Sorgen. Wir sind im Hier und Heute für unsere Nachfahren verantwortlich. Der Mensch hat zwar eine Vorrangstellung, aber keine Vormachtstellung über die Natur. Vielmehr fordert die Würde der ganzen Natur oder ihr Wert an sich, bei aller überlebensnotwendigen Nutzung, die volle Verantwortung des Menschen heraus.

 Wie sieht die Wirklichkeit aus? in unserer Zeit?

Es werden Atomkraftwerke in Erdbebengebiete, direkt am Ufer der Flüsse und Meeregebaut. Medikamente die wirkungslos aber sehr teuer sind, werden wider besseres Wissen, in Umlauf gebracht um sie anschließend zu vernichten. (Profitgier)Die Entsorgung wird ja vom Steuerzahler, übernommen. 

Bei uns in Grenzach, hat die Chemische Industrie, vor allem aus Basel, weil es billig war, ihren Giftmüll, im Trinkwasserschutzgebiet, direkt am Rhein, deponiert.Jetzt, endlich, nach mehr als Sechzig Jahren, werden auf Betreiben des Umweltschutzes, vor allem aber der Bevölkerung,  Zwei Deponien entsorgt. Nun geht es schon wieder los. Eine Firma, entsorgt ihre Giftgrube umweltgerecht. Die Andere, wählte die von der Behörde,wider besseres Wissen, genehmigte, billig Variante, die nur ein hinaus zögern, der Verunreinigung des Trinkwassers, einer ganzen Region bedeutet.

Der derzeitige Flüchtlings Strom, wird uns früher oder später, große Sorgen bereiten. Unsere Politiker haben wieder einmal geschlafen. Ohne die spontane Hilfe der Bevölkerung, wäre alles zusammengebrochen. Die Kommunen sindtotalüberfordert und der Bund rückt lächerliche 500 Millionen heraus, was nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Noch steht die Bevölkerung hilfsbereit hinter der Politik, was sich aber auch ändern könnte. Die ersten Zeichen werden sichtbar. Wen unsere Politiker nicht langsam aufwachen und nicht Nägel mit Köpfen machen, erwartet uns ein Chaos.

Dies sind nur einige Beispiele, die Liste kann endlos weiter geführt werden.

Wie z.B.: Flughafen Berlin, VW, ADAC, FIFA, UEF, Banken, etc.

Auf welcher Seite stehen unsere gewählten Volksvertreter? Auf der Seite des Volkes oder der Industrie? Wem können wir noch trauen oder gar vertrauen?

Genug der Nörgelei,nun die Frage:

Was können wir gegenwärtig und zukünftig für uns, im Besonderen aber für unsere Nachkommen, besser machen?

Meine Antwort:

Erfahrungen aus der Vergangenheit mit Verstand, Vernunft und Mut in die Gegenwart einbringen.

Mit spitzer Zunge, gespitztemBleistift und persönlichem Arrangement.Intuitiv, aus dem Bauchgefühl agieren hat sich als gar nicht so falsch erwiesen. Die Trefferquote ist beachtlich. Sie übertrifft so manche Vorhersage, Prognose, Umfrage und Statistik. Wir sollten deshalb des Öfteren,auch auf unser Bauchgefühl hören und tätig werden.

Die Philosophie, angefangen mit den Naturphilosophen um ca. 600 v. Chr. bis heute, zeigt uns immer noch Wege, Hinweise und Anregungen zum Verhalten, Miteinander und Füreinander.Philosophische Einsichten sind brauchbar, dann nämlich, wenn der Mensch sich zweifelnd zwischen dem Nichts, in ferner Vergangenheit, in ferner Zukunft und dem Unendlichen, zu erkennen meint.

„Wir haben nicht die Aufgabe, Weisheit in uns anzuhäufen, sondern etwas mit ihr anzufangen“sagte im Ende der Renaissance Michel Montaigne (1570) und fügte in Erinnerung an das lateinische Diktum „fortes fortuna audiuvat“ (den Mutigen hilft das Glück) hinzu:„Jeder ist seines Glückes Schmid“.

Goethe führte den humanistischen Gedanken weiter aus und forderte in seinem Gedicht „Das Göttliche“:„Edel sei der Mensch, Hilfreich und Gut“.

Kant hat in hohen Jahren vier berühmt gewordene Fragen zur Gliederung der Philosophie,so formuliert:

Was kann ich wissen? (Metaphysik)Was kann ich tun? (Ethik)

Was darf ich hoffen? (Religion)Was ist der Mensch? (Anthropologie)

Was ist zu einer solchen Selbstbestimmung und Lebenskunst für uns von der Philosophie unseres Abendlandes, die ja zuständig wäre, zu holen?

Ein Freimaurer sollte sich eingehend Gedanken über, dasphilosophisches Erbedes Abendlands einschließlich der vier Fragen von Kants machen.

Wir Freimaurer streben mit der Kraft der Selbsterkenntnis zur Vervollkommnung und wenn wir die philosophischen Bestandteile unserer Rituale verstehen lernen, kann es für unser zukünftiges Leben hilfreich sein.

 Die Zukunft:

Niemand kann in die Zukunft schauen.

Was kann die Freimaurerei und ich als Freimaurer für eine bessere Zukunft tun?

Wie wir wissen, hat die Freimaurerei keine besonders gute Lobby. Bei einer Bevölkerung von 80 Mio. in Deutschland, spielen 15 Tsd. Freimaurer nur eine Nebenrolle. Humanitär ist die Freimaurerei aktiv tätig, aber in der Geschichte etwas bewirkt, hat sie selbst,nur wenig.Wenn etwas bewirkt wurde, dann durch Brüder Freimaurer, als Einzelgänger.Beispiele dafür gibt es viele.

Die Freimaurerei gibt uns nur Hinweise und Denkanstöße, aktiv werden muss der einzelne Bruder Freimaurer selbst.

Wir in der „humanitären, blauen Freimaurerei“, befassen uns in erster Linie mit „Erkenne dich selbst“ und der lebenslangen„Arbeit am Rauen Stein“.

Wir, - du und - ich, -bauen unseren Tempel der Humanität.

Die Selbsterkenntnis ist der Erste Stein des Tempels der Humanität und wenn wir unseren Stein für den Tempel der Humanität richtig behauen, können wir, vielleicht, solch ein Einzelgänger werden.

Ich denke dabei an die Schlussworte des Meisters am Ende unserer TA:

„Geht nun zurück in die Welt, meine Brüder, und bewährt euch als Freimaurer. Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf euch selbst“.

Humanitär sich zu betätigen, human zu sein, ist für einen Freimaurer, Pflicht.

Was aber ist mit: „bewährt euch als Freimaurer“, gemeint?

Es ist die Aufforderung nicht nur humanitär aktiv tätig zu werden, sondern,es könnte die Aufforderung sein, ein maurischer Einzelgänger zu werden.

 Was sollte der Einzelgänger also tun?

Wenn wir auch nur über vorläufige Wahrheiten verfügen, so treten im Leben des Menschen doch Zeiten auf, in denen er auf Fragen, klare Antworten braucht und sucht.Es führen viele Wege nach Rom, heißt es in einem Sprichwort.

Ich möchte hier versuchen, einige Wege aufzeigen, die ein freimaurischer Einzelgänger gehen kann. In der Familie, in seinem Beruf und seinem Umfeld.

 Die Familie steht an erster Stelle. Sie ist das Fundament, hier beginnt die Arbeit. Z. B.: Die Eltern müssen sich über die Erziehung ihrer Kinder einig sein. Wie schwierig ist die Abstimmung dann, mit den Erziehern ihrer Kinder, wie z.B.: in der KITA, in der Schuleund der Ausbildung.

 Im Beruf:Z. B.:Sich weiterbilden, um Verantwortung zu übernehmen. Als Vorgesetzter, menschlicher Umgang, mit seinen Mitarbeitern. 

 In unserem Umfeld:Hier öffnen sich Wege, die nach meinem Dafürhalten, die Wirksamsten sein können.Sich aktiv in der Gesellschaftbetätigen, wie z. B.: in Vereinen, in seiner Gemeinde, und seinem Land. Sichaktiv, parteipolitisch zu betätigen und Verantwortung zu übernehmen.Politisches Engagement mit Herz, Verstand und Mut, ist deshalb, wie ich glaube,zumindest ein Weg, der von einem Freimaurer gegangen werden kann, um, vielleicht, ein freimaurischer Einzelgänger, zu werden.

Menschlich handeln, Gutes tun, das Beste wollen.

Nach Wahrheit suchen, Gerechtigkeit wollen, Menschenliebe fühlen.

Tu was dir aufgetragen ist, tu was dir bestimmt ist, tu es so gut du kannst.

Arbeitet deshalb, fleißig an eurem „Rauen Stein“, dann werdet ihr, vielleicht, wahre Menschen werden und ihr könnt etwas erreichen. Zum Wohle aller Menschen, der Natur und der königlichen Kunst.

Dies, kann ein Anfang sein, etwas für unsere Familie und darüber hinaus in unserem Beruf und unserem Umfeld, zu bewirken. Bedenkt aber, das Hier und Heute, - in unserer Zeit - ist das Entscheidende.

Dies ist die Aufforderung, jenen Einzelgängern nachzustreben und Wegleitung für uns zu sein.

Wir sollten uns stets an Goethes Worte erinnern:

 

Es ist nicht genug zu wissen,

man muss es auch anwenden,

es ist nicht genug zu wollen,

man muss es auch tun.

 

Grenzach, 2016/2017

Stephan Nagy, Seidenweg 2, 79639 Grenzach-Wyhlen

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